Kinderrechte im Globalen Süden

Die Kinder freuen sich darüber, in die Schule gehen zu können.

Was beinhaltet die UN-Kinderrechtskonvention?

Das erste rechtlich bindende Dokument auf internationaler Ebene bezüglich Kinderrechten war die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen, welche auch als UN-Kinderrechtskonvention (UN-KRK) bezeichnet wird und 1990 in Kraft trat. Alle Staaten der Welt, bis auf die Vereinigten Staaten von Amerika, haben die UN-KRK ratifiziert. Kein anderes Abkommen wurde von so vielen Staaten unterzeichnet.

Nachdem Staaten die UN-KRK unterzeichnet haben, sind sie auf nationaler Ebene dazu verpflichtet alle Maßnahmen und innerstaatlichen rechtlichen Grundlagen zu schaffen, um die Kinderrechte der UN-KRK umzusetzen.

Die Umsetzung der UN-KRK auf nationaler Ebene wird vom UN Fachausschuss für Kinderrechte überwacht. Der Fachausschuss kommuniziert mit dem Staat darüber, wie Kinderrechte in dem jeweiligen Land bereits umgesetzt werden und spricht Empfehlungen aus, wie Kinderrechte noch besser umgesetzt werden könnten.

Die UN-KRK beinhaltet eine Vielzahl von unterschiedlichen Rechten aus verschiedenen bereits bestehenden internationalen Menschenrechtsabkommen.

Grundlegende Rechte der UN-Kinderrechtskonvention

  • Das Recht auf Gleichbehandlung. Kein Kind auf der Welt darf auf Grund von Nationalität, Herkunft, Geschlecht oder anderen Indikatoren benachteiligt werden (Artikel 2).
  • Das Recht auf Leben und Entwicklung (Artikel 6).
  • Die Berücksichtigung des Kinderwillens. Dem Kind muss die Möglichkeit gegeben werden sich eine Meinung zu bilden und diese auch zu äußern (Artikel 12).
  • Die Achtung des Kindeswohl. Unabhängig von der Situation muss immer das Wohl des Kindes berücksichtig werden (Artikel 3).

Weitere Kinderrechte

Des Weiteren beinhaltet die UN-KRK:

  • Politische und zivile Rechte, wie das Recht auf Identität (Artikel 8) oder das Recht auf Nationalität (Artikel 7).
  • Wirtschaftlich, kulturelle und soziale Rechte, wie das Recht auf Gesundheit (Artikel 24), das Recht auf Bildung, Schule und Ausbildung (Artikel 28) oder das Recht auf angemessene Lebensbedingungen (Artikel 27).
  • Individuelle Rechte, wie das Recht mit seinen Eltern zu leben (Artikel 10).
  • Kollektive Rechte, wie Rechte von Kindern von Minderheiten (Artikel 30), Rechte von Flüchtlingskindern (Artikel 22).
Die Kinder erfrischen sich am neuen Trinkwasserzugang in einer Grundschule in Purlung/ Nepal.

Die Kinder erfrischen sich am neuen Trinkwasserzugang in einer Grundschule in Purlung/ Nepal.

Wie sieht die Realität sieht aus?

Das Kinderhilfwerk Eine Welt (KHW) arbeitet seit 1975 daran Kinderrechte in Globalen Süden (früher: Entwicklungsländern) zu verbessern und Kindern Zugang zu ihren Rechten zu ermöglichen. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf dem Recht auf Bildung und dem Recht auf Gesundheit.

Kinderrechte im Globalen Süden

Auch wenn in der UN-KRK klar definiert ist, wie Kinderrechte von den Vertragsstaaten umgesetzt werden sollten, ist das nicht überall auf der Welt möglich. Besonders in Ländern, in denen gewaltsame Konflikte geführt werden oder im Globalen Süden sind Kinderrechte häufig schwer realisierbar. Länder des Globalen Südens ratifizieren zwar die UN-KRK, um ihren guten Willen in Bezug auf Kinderrechte zu zeigen, haben aber häufig aus einer Vielzahl von Gründen, wie z.B. Infrastruktur, Wirtschaft, Konflikten etc. nicht die Kapazitäten diese Rechte in vollem Umfang umzusetzen und zu kontrollieren.

Wie hilft das KHW benachteiligten Kindern?

Diese Herausforderung soll im Folgenden an zwei Projektländern des KHWs verdeutlicht werden. Außerdem wird beschrieben, wie das KHW durch die Projekte versucht der beschriebenen Problematik entgegenzuwirken, um Kinderrechte, die von der UN-KRK gefordert werden, zu realisieren.

Nepal

Nepal hat die UN-KRK 1990 ratifiziert und ist seitdem an die Rechte auf internationaler Ebene gebunden. Nepal gehört jedoch zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Besonders das Armuts- und Entwicklungsgefälle zwischen Stadt und Land ist extrem. Viele Menschen leben von der Landwirtschaft und haben nur eine einfache Schulbildung. Außerdem gab es 2015 ein schweres Erdbeben, welches viele Gebäude nachhaltig zerstört hat. Viele Schäden sind bis heute nicht behoben. In abgelegenen Dörfern gibt es kaum noch kindgerechte Schulgebäude. Aus diesem Grund ist es für Nepal schwer Kindern das Recht auf Bildung zu ermöglichen, auch wenn die UN-KRK es von ihnen verlangt.

Artikel 28 UN-KRK fordert, dass Vertragsstaaten Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Bildungsinstitutionen ermöglichen müssen. Bildung ist eines der wichtigsten Instrumente, um Armut zu entkommen und die Chance auf ein besseres Leben zu haben. Das KHW unterstützt Nepal seit dem Erdbeben dabei Schulen wieder aufzubauen und neue Schulen in abgelegenen Regionen zu errichten, damit auch dort Kinder und Jugendliche eine Schule besuchen können.

Kinder haben ein Recht auf Bildung. Schüler*Innen bei der morgendlichen Begrüßung in einer Grundschule in Nepal.

Kinder haben ein Recht auf Bildung. Schüler*innen bei der morgendlichen Begrüßung in einer Grundschule in Nepal.

Mali

Auch Mali ist seit 1990 an die UN-KRK gebunden, die Gesundheitsversorgung von Kindern in Mali ist jedoch unzureichend. Für viele Menschen in Mali gibt es keine medizinischen Anlaufstellen. Außerdem sind viele Krankheiten, die in Mali sogar bis zum Tode führen können, leicht behandelbar, wenn es ein erreichbares Krankenhaus geben würde. Des Weiteren gibt es keine Entbindungsstationen, um Mütter und Kinder nach der Geburt ausreichend zu versorgen. Viele Menschen können sich medizinische Behandlungen nicht leisten und sind über Impfungen etc. nicht aufgeklärt.

Artikel 12 der UN-KRK fordert, dass Kinder Zugang zu Gesundheitseinrichtungen erhalten, Krankheiten bekämpft werden und Mütter nach der Entbindung eine ausreichende Gesundheitsfürsorge erhalten. Des Weiteren sollen Kinder und Erwachsene über verschiedene Gesundheitsaspekte aufgeklärt werden (siehe Art. 12f). Gesundheit ist neben Bildung eines der wichtigsten Güter, um Armut zu entkommen und die Chance auf ein besseres Leben zu haben. Das KHW unterstützt Mali durch den Bau von Gesundheitszentren und die Durchführung von Workshops zu verschiedenen Gesundheitsaspekten bei der Erfüllung des Rechts von Kindern auf Gesundheit.

Durch die Realisierung von Kinderrechten kann das Schicksal einer ganzen Generation verändert werden – aber es braucht Zeit, Geduld und Geld, um das zu erreichen! Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

Kinder haben ein Recht auf Gesundheit. Erste Untersuchungen eines Säuglings in einem Gesundheitszentrum in Mali.

Kinder haben ein Recht auf Gesundheit. Erste Untersuchungen eines Säuglings in einem Gesundheitszentrum in Mali.

Durch die Realisierung von Kinderrechten kann das Schicksal einer ganzen Generation verändert werden – aber es braucht Zeit, Geduld und Geld, um das zu erreichen! Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

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UN Human Rights, Office of the High Commissioner

Humanium, 'Übereinkommen über die Rechte des Kindes : Vertragsstaaten und Beteiligte der Konvention'

UN Kinderrechtskonvention, 'Staatenverpflichtungen durch die UN-Kinderrechtskonvention'

Zeit Online, 'Hunderte Tote nach Erdbeben im Himalaya'


Portrait von Kara Eggers

Autorin des Artikels:

Kara Eggers

Vorständin & Öffentlichkeitsarbeit

Kara Eggers hat einen Abschluss in Erziehungs- und Bildungswissenschaften (Schwerpunkt: Sozialpädagogik) und arbeitet zurzeit in einer Kindertagesstätte. Von Oktober 2018-Juni 2021 unterstützte sie das Kinderhilfswerk Eine Welt als Werkstudentin in den Bereichen Projektmanagement und Social Media. Ihre Masterarbeit im Fach Internationale Menschenrechte hat sie über das Recht von Kindern auf Gesundheit in Krisengebieten geschrieben und sich hierbei intensiv mit der UN-Kinderrechtskonvention beschäftigt.

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