04.08.2026
Die AGRU Academy in Kapstadt ermöglicht Kindern aus geflüchteten und zugewanderten schwarzafrikanischen Familien den Zugang zu Bildung, Schutz und Zukunftsperspektiven. Gerade in einer Zeit zunehmender Ausgrenzung ist die Schule ein verlässlicher Ort. Doch ein sicherer Schultag beginnt an der Haustür und endet erst, wenn die Kinder wieder wohlbehalten bei ihren Familien angekommen sind. Der öffentliche Transport sollte für besonders gefährdete Kinder in der gegenwärtig angespannten Lage nach Möglichkeit vermieden werden. Ein eigener Minibus wird es der AGRU Academy dank großzügiger Spenden nun ermöglichen, die Kinder in der Nähe ihrer Unterkünfte abzuholen und nach dem Unterricht zurückzubringen.
In Südafrika hat sich die Lage für viele Einwanderer aus anderen afrikanischen Ländern zuletzt deutlich verschärft. Auch im Westkap und in Kapstadt leben Familien in Angst vor Bedrohungen, Vertreibung und Gewalt. Für die Kinder der AGRU Academy kann dadurch selbst der tägliche Schulweg zum Sicherheitsrisiko werden.
Deshalb haben wir in den letzten Wochen zu Spenden für die Anschaffung eines eigenen Schul-Minibusses aufgerufen. Die Spenden wurden für die Anschaffung des Fahrzeugs, seine Zulassung und Versicherung sowie für Sicherheitsausstattung, Treibstoff und Wartung benötigt.
Dank des großartigen Engagements einer Familienstiftung und einiger privater Spenderinnen und Spender können wir der AGRU Academy nun zuverlässig helfen, ihre Schülerinnen und Schüler sicher zur Schule und wieder nach Hause zu bringen. Dafür bedanken wir uns herzlich bei allen Beteiligten!
Seit Mai 2026 finden in mehreren südafrikanischen Provinzen Proteste gegen Einwanderer statt. Beteiligt sind unter anderem fremdenfeindliche Bewegungen wie „March and March“ und „Operation Dudula“. Offiziell richten sich manche Aktionen gegen Menschen ohne gültige Aufenthaltsdokumente. Tatsächlich treffen Einschüchterungen, eigenmächtige Kontrollen und gewaltsame Übergriffe jedoch auch Menschen, die sich rechtmäßig in Südafrika aufhalten.
Human Rights Watch berichtet von Angriffen auf afrikanische und asiatische Einwanderer sowie von unzureichendem Schutz der Betroffenen. Menschen werden aufgrund ihrer Herkunft, Sprache oder ihres Aussehens als Ausländer identifiziert und zum Ziel rassistischer Feindseligkeit.
Auch die Tagesschau berichtete am 12. Juli 2026 über die Folgen dieser Entwicklung. Zehntausende Migrantinnen und Migranten hätten Südafrika aus Angst vor fremdenfeindlicher Gewalt verlassen. Der Bericht schildert unter anderem den Fall eines Mannes aus Simbabwe, dessen Unterkunft von bewaffneten Angreifern überfallen und geplündert wurde.
Besonders schwere Vorfälle wurden aus mehreren Orten des Westkaps gemeldet. In Mossel Bay wurden Ende Mai mosambikanische Staatsangehörige getötet, Häuser niedergebrannt und Familien vertrieben. In Kleinmond, Gansbaai und weiteren Orten des Overberg flohen Menschen aus Malawi und Mosambik aus ihren Unterkünften. Einige versteckten sich in Bergen, Dünen oder am Strand, bevor sie in Gemeindehallen Schutz fanden.
Auch in Kapstadt selbst sind die Folgen spürbar. Mitte Juni suchten mehr als 300 Menschen aus Simbabwe beim Konsulat Unterstützung für ihre Rückkehr. Unter ihnen waren Familien aus Gugulethu, Khayelitsha, Philippi, Joe Slovo, Strand und weiteren Stadtteilen. Viele berichteten von direkten Drohungen in ihrem Wohnumfeld.
In Dunoon warnten Kirchen- und Gemeindeverantwortliche vor einem geplanten Anti-Einwanderungs-Marsch, der in Gewalt, Plünderungen und Angriffe auf Unbeteiligte umschlagen könne.
Besonders alarmierend war ein Vorfall in Kraaifontein: Rund 700 Schülerinnen und Schüler beteiligten sich an einem Protest, der die Entfernung ausländischer Menschen aus Schulen und aus Südafrika forderte. Während der Unruhen wurde ein Fahrzeug zerstört, ausländische Händler berichteten von Plünderungen und großer Angst. Der Vorfall zeigt, wie weit fremdenfeindliche Botschaften inzwischen bis in das Umfeld von Schulen vorgedrungen sind.
Südafrika leidet unter hoher Arbeitslosigkeit, extremer sozialer Ungleichheit, Wohnungsnot, Kriminalität und mangelhafter öffentlicher Versorgung. Die Ursachen liegen unter anderem in den bis heute wirkenden Strukturen der Apartheid, schwachem Wirtschaftswachstum, Korruption und staatlichem Versagen.
Einwanderer werden dennoch häufig für fehlende Arbeitsplätze, Kriminalität und überlastete Einrichtungen verantwortlich gemacht. Für viele dieser Behauptungen gibt es keine belastbaren Belege. Nach Angaben der Vereinten Nationen lebten 2024 rund 2,6 Millionen Migrantinnen und Migranten in Südafrika - etwa fünf Prozent der Bevölkerung. Untersuchungen zeigen außerdem, dass viele Einwanderer Unternehmen gründen, Arbeitsplätze schaffen und zur Wirtschaft beitragen.
Die Wut über Armut und Perspektivlosigkeit richtet sich damit gegen eine besonders verletzliche Gruppe. Betroffen sind überwiegend schwarze Menschen aus Ländern wie Simbabwe, Malawi, Mosambik, Nigeria oder der Demokratischen Republik Kongo. Die aktuelle Entwicklung ist deshalb nicht nur eine Debatte über Aufenthaltsrecht, sondern mit rassistischer Ausgrenzung, Vertreibung und teilweise tödlicher Gewalt verbunden.
Die dokumentierten Aktionen finden häufig an öffentlich zugänglichen und vorhersehbaren Orten statt: auf Hauptstraßen, an Märkten, in Geschäftsvierteln, Wohngebieten und an Verkehrsknotenpunkten. In Kleinmond versammelten sich beispielsweise Hunderte Menschen an einem Taxistand und marschierten anschließend zu einer Siedlung, in der viele Einwanderer lebten.
Aus verschiedenen Orten wird außerdem berichtet, dass Gruppen Menschen auf Straßen anhielten oder von Haus zu Haus zogen und Ausweisdokumente verlangten - obwohl solche Kontrollen ausschließlich staatlichen Behörden zustehen.
Diese Orte werden täglich auch von Linienbussen, Minibus-Taxis, Schultransporten und Fußgängern genutzt. Feste Haltestellen und gleichbleibende Routen sind leicht vorhersehbar und können bei Demonstrationen, Straßensperren oder spontanen Menschenansammlungen nur schwer kurzfristig umgangen werden.
Für systematische, gezielt gegen Schulbusse gerichtete Angriffe in Kapstadt gibt es derzeit keine verlässlich bestätigten öffentlichen Berichte. Die dokumentierten Einschüchterungen, Straßenaktionen und Übergriffe zeigen jedoch, dass Kinder aus Einwandererfamilien auf festen öffentlichen Verkehrswegen einem erhöhten Risiko ausgesetzt sein können.
Dank der großzügigen Unterstützung einer Familienstiftung sowie engagierter privater Spenderinnen und Spender kann die AGRU Academy nun einen eigenen Minibus anschaffen. Damit erhalten die Kinder künftig einen deutlich sichereren Schulweg und können auch unter schwierigen Bedingngen regemäßig am Unterricht teilnehmen. Für die wertvolle Unterstützung bedanken wir uns von Herzen.
Jede weitere Spende hilft dabei, den sicheren Betrieb des Fahrzeugs sowie begleitende Maßnahmen langristig zu sichern und die AGRU Academy nachhaltig zu stärken.
Stand der Informationen: 14. Juli 2026
Seite durchsuchen:
Datenschutzeinstellungen öffnen